[Jat] – Schicksal eines Buchstaben
[jat] existierte im russischen Alphabet bis 1918. Die Aussprache bewegte sich zwischen [je] oder [ie]. [jat] sah wie ein Weichzeichen mit einem Querbalken am vertikalen Grundstrich aus. Der Querbalken endete meist mit zwei Serifen.
Es findet sich manch merkwürdiges Beispiel: der linke Teil des Querbalkens und der dazugehörende Serif sind bis zur Grundlinie verlängert. Der rechte Teil des Querbalkens ist verschwunden. Von dieser Form ist eine besondere Form – der Kleinbuchstabe im Kursiv-Schnitt – abgeleitet. Sehen Sie das Beispiel in der Mitte. Der Abstrich holt dabei zu einem Bogen aus. Es gibt noch eine zweite Theorie, wie diese Form entstand: [Jat] war ursprünglich eine Ligatur.
Die Benutzung des [jat] und die damit verbundene Schreibregel waren äußerst kompliziert und erforderten ein musikalisches Gehör oder gutes Gedächtnis. Es gab sogar die Redewendung durch Jat läuft die Grenze zwischen dem Schriftkundigen und dem Unwissenden.
Der anspruchsvolle Buchstabe fiel nach der Oktoberrevolution der Reformwut zum Opfer. Vielleicht wegen seines verspielten Äußeren, das an bürgerliche Dekadenz der vergangenen Epoche erinnerte. Für die russische Typografie war das Tilgen von [jat] ein Verlust, da es einer der wenigen Buchstaben war, der mit seiner Oberlänge die Monotonie des russischen Satzes unterbrach.
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Schicksal eines Buchstaben